SEATRAC: Selbstständig mit dem Rollstuhl ins Meer Teil 3

Bild von Tony Laws auf Pixabay
Welche Vorteile bietet SEATRAC für Kommunen und den Tourismus?
Barrierefreiheit ist längst mehr als eine gesetzliche Anforderung. Sie ist ein Qualitätsmerkmal, von dem viele Menschen profitieren. Neben Rollstuhlfahrern gehören dazu auch ältere Menschen, Personen mit vorübergehenden Mobilitätseinschränkungen sowie Familien, die auf gut zugängliche Infrastruktur angewiesen sind.
Mit einem barrierefreien Zugang zum Wasser können Städte und Gemeinden ein deutliches Zeichen für Inklusion setzen. Gleichzeitig wird das touristische Angebot erweitert und für eine größere Zielgruppe attraktiv.
Ein barrierefreier Strandzugang kann dazu beitragen,
- die selbstständige Nutzung des Strandes zu ermöglichen,
- den inklusiven Tourismus zu fördern,
- die Attraktivität einer Urlaubsregion zu steigern,
- die gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben zu unterstützen.
Immer mehr Urlauber achten bei der Wahl ihres Reiseziels darauf, ob barrierefreie Angebote vorhanden sind. Ein System wie SEATRAC kann daher ein wichtiger Baustein eines umfassenden Barrierefreiheitskonzeptes sein.
Welche Herausforderungen gibt es bei der Umsetzung?
Auch wenn SEATRAC viele Vorteile bietet, eignet sich nicht jeder Strand gleichermaßen für eine Installation.
Vor der Umsetzung müssen verschiedene Aspekte geprüft werden.
Dazu gehören unter anderem:
- die Tragfähigkeit des Untergrundes,
- wechselnde Wasserstände,
- Gezeiten an Nordseestränden,
- Naturschutz- und Umweltauflagen,
- baurechtliche Genehmigungen,
- Wartung und regelmäßige Sicherheitsprüfungen,
- die langfristige Finanzierung.
Hinzu kommt, dass ein barrierefreier Zugang zum Wasser allein nicht ausreicht.
Damit Menschen mit Behinderung einen Strand wirklich selbstständig nutzen können, gehören häufig auch weitere Angebote dazu, beispielsweise:
- barrierefreie Parkplätze,
- barrierefreie Toiletten,
- befestigte Wege oder Holzstege,
- Umkleidemöglichkeiten,
- gut erreichbare Rettungs- und Servicestellen.
Erst das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen schafft eine möglichst umfassende Barrierefreiheit.
Häufig gestellte Fragen zu SEATRAC
Was kostet eine SEATRAC-Anlage?
Der Hersteller veröffentlicht auf seiner offiziellen Internetseite keine allgemein gültigen Preise. Die Kosten hängen unter anderem vom Standort, den örtlichen Gegebenheiten, dem Umfang der Installation und den gewünschten Ausstattungsmerkmalen ab. Interessierte Kommunen oder Betreiber erhalten ein individuelles Angebot direkt vom Hersteller.
Können Rollstuhlfahrer SEATRAC ohne Begleitperson nutzen?
SEATRAC wurde entwickelt, um Menschen mit Mobilitätseinschränkungen einen möglichst selbstständigen Zugang zum Wasser zu ermöglichen. Ob eine Nutzung ohne Begleitperson möglich ist, hängt jedoch immer von den individuellen körperlichen Fähigkeiten der jeweiligen Person ab. Insbesondere das sichere Umsetzen vom Rollstuhl auf den Sitz muss eigenständig möglich sein.
Kann SEATRAC auch an Seen eingesetzt werden?
Ja. Das System ist nicht ausschließlich für Meeresstrände vorgesehen. Es kann grundsätzlich auch an geeigneten Badeseen und Strandbädern eingesetzt werden, sofern die örtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Gibt es SEATRAC bereits an Nord- oder Ostseestränden?
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels gibt es nach öffentlich zugänglichen Informationen noch keine dauerhaft betriebene SEATRAC-Anlage an einem Nordsee- oder Ostseestrand in Deutschland. Mit dem Pilotprojekt im Strandbad Farmsen wurde jedoch gezeigt, dass die Technik grundsätzlich auch hierzulande eingesetzt werden kann.
Wer übernimmt die Kosten für eine SEATRAC-Anlage?
SEATRAC ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Finanzierung erfolgt in der Regel durch den jeweiligen Projektträger. Je nach Projekt können Förderprogramme, kommunale Haushaltsmittel, Stiftungen oder weitere Fördermittel zur Finanzierung beitragen.
Warum barrierefreie Strandzugänge so wichtig sind
Barrierefreiheit endet nicht am Parkplatz und auch nicht am Beginn des Sandes.
Für viele Menschen mit Gehbehinderung ist gerade der Zugang zum Wasser die größte Hürde eines Strandbesuchs. Dabei sollte die Möglichkeit, im Meer oder in einem See baden zu können, keine Frage der körperlichen Einschränkung sein.
Die UN-Behindertenrechtskonvention verfolgt das Ziel, Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dazu gehören auch Freizeit, Erholung und Tourismus.
SEATRAC zeigt, dass technische Lösungen dazu beitragen können, bestehende Barrieren abzubauen und mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen.
Natürlich ersetzt ein Schienensystem keine umfassende Barrierefreiheit. Es kann jedoch ein wichtiger Baustein sein, um Strände für mehr Menschen zugänglich zu machen.
Fazit: SEATRAC kann ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstbestimmung sein
Wer schon einmal am Strand gestanden hat und wegen des Sandes oder des fehlenden Zugangs nicht bis ins Wasser gelangen konnte, weiß, wie frustrierend diese Situation sein kann.
SEATRAC zeigt, dass es dafür eine technische Lösung gibt. Das solarbetriebene Schienensystem ermöglicht vielen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen einen selbstständigen Zugang zum Wasser und trägt damit zu mehr Unabhängigkeit und Teilhabe bei.
Mit dem ersten Pilotprojekt in Deutschland ist deutlich geworden, dass ein Einsatz grundsätzlich auch hier möglich ist. Ob künftig weitere Strände folgen, wird davon abhängen, ob Kommunen, Tourismusverantwortliche und Fördermittelgeber bereit sind, gemeinsam in eine barrierefreie Infrastruktur zu investieren.
Ich wünsche mir, dass SEATRAC nicht nur eine interessante Innovation bleibt, sondern künftig an vielen weiteren Stränden in Deutschland zum Einsatz kommt. Denn echte Barrierefreiheit bedeutet nicht nur, den Strand zu erreichen – sondern auch die Freiheit zu haben, selbstständig ins Wasser zu gelangen.
Quellen
Für diesen Artikel wurden ausschließlich öffentlich zugängliche Informationen offizieller Stellen und des Herstellers verwendet.
- Offizielle Informationen des Herstellers TOBEA / SEATRAC
- Informationen zum Pilotprojekt im Strandbad Farmsen (Hamburg)
- Förderinformationen der Aktion Mensch
- Förderinformationen der Bundesländer zur Barrierefreiheit
- Informationen der Europäischen Union zu Förderprogrammen für öffentliche Infrastruktur und Tourismus



