Wege für Erwerbsgeminderte auf dem Weg zum Zuschuss fürs Auto

Eine verzweifelte Frau mit Erwerbsminderung sitzt im Rollstuhl am Schreibtisch.
Foto: pexels-marcus-aurelius

In 6 Schritten zum KFZ-Zuschuss bei Erwerbsminderung

Diese 6 Punkte sind der Weg zu deinem Antrag. Du solltest dir die Zeit nehmen, dich umfassend zu informieren. Gute Vorbereitung ist hier wirklich wichtig.

  • Prüfe: Hast du eine volle oder teilweise Erwerbsminderungsrente?
  • Überlege: Willst du (wieder) arbeiten oder geht es vor allem um Alltags-Mobilität (Ehrenamt, Einkaufen, Familie, Freunde, Freizeit etc.)?
  • Wenn (Wieder-)Einstieg in Arbeit/berufliche Reha:
    • Deutsche Rentenversicherung oder Agentur für Arbeit.
  • Wenn Unfallfolgen aus Arbeit/Wegeunfall:
    • Berufsgenossenschaft / Unfallversicherung.
  • Wenn dauerhafte Erwerbsminderungsrente und Alltag im Vordergrund:
    • Eingliederungshilfe / Sozialamt (Leistungen zur sozialen Teilhabe).
  • Auf den Webseiten der Rentenversicherung, Arbeitsagentur, Unfallversicherung oder deines Sozialamts findest du:
    • Infos zur Kraftfahrzeughilfe.
    • Antragsformulare und Merkblätter.
  • Bei Unsicherheit: Beratungsstellen wie VdK, Sozialverband oder Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung fragen.

Typische Unterlagen sind:

  • Rentenbescheid (Erwerbsminderungsrente), Schwerbehindertenausweis.
  • Ärztliche Bescheinigung, dass du wegen deiner Behinderung auf ein Auto angewiesen bist.
  • Falls Arbeit/berufliche Reha: Arbeitsvertrag, Reha-Bescheid oder Maßnahmeunterlagen.
  • Kostenvoranschläge für Auto (Neuwagen/Gebrauchtwagen) und behindertengerechten Umbau.
  • Erkläre schriftlich:
    • Warum kannst du wegen deiner Erwerbsminderung Bus und Bahn kaum oder gar nicht nutzen?
    • Welche wichtigen Wege musst du regelmäßig schaffen (Arzt, Therapie, Arbeit, Einkaufen, Familie/Freunde)?
  • Schreibe konkret: Entfernung, Fahrzeiten, Umstiege, Barrieren (Treppen, fehlende Aufzüge, Schmerzen, Sturzgefahr).
  • Reiche den Antrag mit allen Unterlagen ein, bevor du einen Kaufvertrag unterschreibst oder den Umbau starten lässt.
  • Reagiere auf Nachfragen der Behörde schnell und reiche fehlende Unterlagen nach.
  • Bei Ablehnung:
    • Begründung genau lesen.
    • Innerhalb der Frist Widerspruch einlegen! Weitere Nachweise können auch danach eingereicht werden (z. B. ausführlicher Arztbericht, Stellungnahme einer Beratungsstelle). Wichtig ist hier erst einmal die Wahrung der Frist.

Soweit die Fakten.
Jetzt kommt allerdings noch ein „Aber!“.

Es wäre natürlich schön, wenn es so einfach wäre. Ist es leider nicht immer.
Die Beantragung der Kraftfahrzeughilfe kann in manchen Fällen problemlos genehmigt werden. In den allermeisten Fällen ist es aber ein langer Weg.
Es kann zwischen 3 Monaten und mehreren Jahren dauern, bis es zu einer Genehmigung kommt. Oder eben zu einer endgültigen Ablehnung. Es wäre unfair von mir, diese Seite nicht auch zu zeigen.

Ich habe in meinem Leben mit Gehbehinderung schon mehrere Zuschüsse zu einem Auto erhalten.
Der Erste, damit ich meine Ausbildung abschließen kann. Dieser Antrag wurde problemlos genehmigt.
Mein zweiter Antrag, 10 Jahre später, war deshalb, weil sich meine Situation verschlimmert hatte. Hier musste ich schon mehr Arbeit in meinen Antrag stecken. Es hat ca. 3 Monate gedauert bis klar war, dass ich einen Zuschuss zu dem neuen Auto bekommen würde.
Jetzt ist es gerade so, dass ich seit einem Jahr darum kämpfe, den Zuschuss zu erhalten. Ich benötige ein größeres Auto, um meinen E-Rolli mitnehmen UND selbstständig fahren zu können.

In Zeiten knapper Kassen und vieler Sparmaßnahmen, ist es nicht mehr so einfach an Kraftfahrzeughilfe zu kommen. Obwohl wir in gewissem Maße einen Anspruch darauf haben.
Klar geht es hier nicht darum, in Saus und Braus zu leben, 😉 Nein, es geht um selbstbestimmte Teilhabe! Um ein unabhängiges Leben.
Wir, die wir eh schon jeden Tag mehr Kraft für alles brauchen, haben oft keine Kraft mehr, um lange Wege zu/mit Bus und Bahn zurückzulegen. Falls dies überhaupt geht. Wir bräuchten Entlassung, Unterstützung, mehr Leichtigkeit im Leben.

Auch wenn es keiner gerne zugibt, werden wir oft durch die äußeren Umstände behindert.
Die Wahrscheinlichkeit, dass man auf dem Land einen Zuschuss zum Auto bekommt, ist größer als in der Stadt. Denn dort kommt als Erstes das Argument der guten ÖPNV-Anbindungen. Unabhängig davon, was sonst noch für Argumente unsererseits, die gegen öffentliche Verkehrsmittel angebracht wurden.
Gesetzestexte werden gerne nur auf eine Weise ausgelegt (natürlich zugunsten des Amtes) obwohl man durchaus zu verschiedenen Ansichten kommen könnte.

Ich verstehe es ja irgendwie. Wenn man als Amt einmal einen Zuschuss gewährt, könnten bald mehr Menschen kommen und denselben Anspruch stellen. Das würde ganz schön teuer werden.
Nur steht es uns zu. Es gibt Gesetze, die eine Teilhabe möglich machen sollen, die sich an der Situation eines nicht behinderten, nicht sozialhilfebedürftigen Erwachsenen orientieren.

Dennoch lohnt es sich, einen Antrag auf Kraftfahrzeughilfe zu stellen!
Hab den Mut, es zu probieren. Ein umgebautes Auto kann dir dein Leben massiv erleichtern!
Nicht nur, dass du dann vielleicht wieder arbeiten gehen könntest (wenn es denn möglich wäre). Du könntest auch ein Ehrenamt ausüben. Etwas tun, was deinem Leben Sinn schenkt. Oder mit deiner Familie einfach den Alltag schmerzfreier gestalten. In so vielen Bereichen erleichtert ein Auto unser Leben.

Hab den Mut für dich einzustehen und werde wieder mobil.


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